Polizeiliche Kriminalstatistik
In diesem Fact of the Month geht es um die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS): Was bildet sie eigentlich ab – und was nicht? Dieses Mal erklären wir das Thema in einem kurzen Video. Für alle, die lieber lesen möchten, finden Sie direkt darunter auch das vollständige Transkript.
Jedes Jahr veröffentlicht das Bundeskriminalamt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) mit allen erfassten und zur Anzeige gebrachten Straftaten. Diese Zahlen bieten die Möglichkeit, die Entwicklung polizeilich registrierter Kriminalität zu verfolgen. Doch ist Vorsicht bei deren Interpretation geboten.
Was kann dargestellt werden?
Die PKS bildet nur das sogenannte Hellfeld der Kriminalität ab. Das Dunkelfeld, also alle Taten, die nicht polizeilich registriert werden, fließt nicht in die PKS ein, gilt aber als deutlich größer als das Hellfeld. Niemand weiß zwar, wie groß das tatsächliche absolute Dunkelfeld ist. Jedoch versuchen Dunkelfeldstudien, sich diesem anzunähern, indem sie Personen anonym zu bestimmten Delikten, Täterschaft und Viktimisierungserfahrungen befragen.
Die PKS kann also kein vollständiges Bild der Kriminalität abdecken, sondern nur einen Teil davon. Außerdem sagt sie nichts über Schuld und schlussendliche Urteile durch die Justiz aus, sondern spiegelt nur das Verdachtsmoment.
Welche Faktoren sollten berücksichtigt werden?
Hinzu kommt, dass sie stark abhängt vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung, dem Kontrollverhalten der Polizei und der allgemeinen Aufmerksamkeit für bestimmte Delikte. Dabei besteht die Gefahr, dass Verzerrungen eintreten.
Wenn sich die Anzahl von Delikten oder Tatverdächtigen in der PKS ändert, muss man immer kritisch fragen: Wie kommt es dazu? Kontrolliert die Polizei beispielsweise aufgrund politischer Entscheidungen stärker den Verkehr auf zu schnelles Fahren, ist ein Anstieg in den Fallzahlen von Verkehrsdelikten zu erwarten und somit eine Verzerrung der Realität. Ein weiteres Beispiel sind Gesetzesänderungen, wie die Teillegalisierung von Cannabis 2024, die einen Einfluss darauf haben, ob ein bestimmtes Verhalten überhaupt strafbar ist.
Umgang mit den Daten
Diese Verzerrungen geben Anlass, sensibel mit den Daten der PKS umzugehen. Problematisch sind diese insbesondere dann, wenn durch die mediale Thematisierung der PKS Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung gegenüber bestimmten Personen oder Gruppen entstehen und verstärkt werden.
Fazit
Zusammenfassend kann man sagen: Die PKS gibt einen Überblick über die polizeilich erfassten Straftaten, aber erlaubt keine Aussagen über das Ausmaß der Kriminalität, die zu großen Teilen unerkannt stattfindet.
Falls euch das Thema interessiert, gibt diese Quelle einen guten Einblick:
Weber, K., Wagner, D. & Asbrock, F. (2025). Beeinflusst die Polizeiliche Kriminalstatistik die Wahrnehmung von Sicherheit und Bedrohung durch Geflüchtete und Migrant*innen? Magazin des Fachnetzwerks Sozialpsychologie zu Flucht und Integration.
https://www.fachnetzflucht.de/wp-content/uploads/2025/02/Weber-Wagner-Asbrock-2025.pdf
Redaktionelle Verantwortung: Maximilian Schlotte, Nils Heimhuber, Clara Brunner, Prof. Dr. Frank Asbrock