Wie sprechen Menschen über Kriminalität – im Alltag, in Gesprächen mit Nachbar:innen, in Medienkommentaren oder am Stammtisch? Und woher stammen ihre Vorstellungen davon, was gefährlich ist? Dieses Forschungsprojekt untersucht, welche Bilder, Erzählmuster und Gefühle in solchen Gesprächen auftauchen, und wie sich persönliche Erfahrungen, Medienberichte und gesellschaftliche Diskurse miteinander verschränken.
Im Mittelpunkt stehen Interviews und Gruppendiskussionen mit Chemnitzer:innen im Stadteil Zentrum. Analysiert wird, wie Kriminalität wahrgenommen, erklärt und emotional bewertet wird – und auf welche Quellen sich die Teilnehmenden dabei stützen: eigene Erlebnisse, Erzählungen aus dem sozialen Umfeld, Nachrichtenmeldungen oder politische Debatten. Ob eine Geschichte aus dem Viertel oder eine Schlagzeile aus der Tagesschau, all das prägt mit, wie Kriminalität verstanden und bewertet wird.
Das Projekt verbindet Ansätze des symbolischen Interaktionismus, der narrativen Kriminologie und der Wissenssoziologie. Ziel ist es, kriminalitätsbezogene Alltagsvorstellungen sichtbar zu machen und neue Impulse für eine realitätsnahe, kontextbezogene Sicherheits- und Präventionspolitik zu geben. Denn Kriminalität ist nicht nur ein rechtliches, sondern auch ein erzählerisches und gesellschaftliches Phänomen.
Leitung: Dr. Aaron Bielejewski
Aktuell suchen wir Gesprächspartner:innen für Interviews im Rahmen des Projekts.
Wer kann teilnehmen?
Wir suchen Personen, die das Brühl-Viertel in Chemnitz-Zentrum kennen – unabhängig davon, wie intensiv oder wie lange. Ob Sie dort leben, arbeiten, regelmäßig vorbeikommen oder nur gelegentlich Zeit im Viertel verbringen: Entscheidend sind Ihre persönlichen Eindrücke.
Sie müssen keine eigenen Erfahrungen mit Kriminalität gemacht haben und auch nicht der Meinung sein, dass Kriminalität ein großes Thema ist.
Auch wenn Sie im Alltag kaum oder niemals darüber nachdenken, ist Ihre Perspektive für uns interessant.
Muss ich selbst etwas erlebt haben?
Nein. Auch allgemeine Eindrücke oder Beobachtungen sind für uns interessant.
Wir alle begegnen dem Thema Kriminalität im Alltag – in Nachrichten, Filmen oder Serien, in Gesprächen mit anderen oder einfach durch das, was man hört und mitbekommt. Auch ohne eigene Erfahrungen hat man oft eine Vorstellung davon, wie Kriminalität aussieht, wie sie entsteht oder wie man ihr begegnet.
Uns interessiert, wie solche Eindrücke entstehen und wie Menschen darüber sprechen.
Worum geht es im Interview?
Das Interview ist ein offenes Gespräch in ruhiger Atmosphäre – kein Test und keine Befragung mit festen Antwortvorgaben. Im Interview sprechen wir darüber, wie Sie das Brühl-Viertel wahrnehmen und wie Sie im Alltag über Kriminalität und Sicherheit denken.
Zum Beispiel kann es um folgende Themen gehen:
- Welchen Ruf hat die Brühl – oder Chemnitz insgesamt – und finden Sie, dass dieser Eindruck passt oder eher nicht?
- Wie wird über das Viertel gesprochen, etwa im Freundes- oder Bekanntenkreis oder in den Medien?
- Wenn in den Medien viel über bestimmte Themen gesprochen wird: Haben Sie den Eindruck, dass sich das auch im Brühl oder in Chemnitz zeigt – oder wirkt das eher weit weg?
- Wenn allgemein über Entwicklungen in Deutschland oder anderswo gesprochen wird: In welchen Punkten passt das für Sie zum Brühl oder zu Chemnitz – und wo eher nicht?
- Wie realistisch erscheint Ihnen die Darstellung von Kriminalität in Nachrichten, Podcasts, Filmen oder Serien?
- Wie präsent sind Einrichtungen wie Polizei oder andere Institutionen im Alltag im Viertel – eher deutlich oder eher im Hintergrund?
- Wie würden Sie das Miteinander vor Ort beschreiben – eher vertraut, anonym oder unterschiedlich je nach Situation?
Es geht nicht um „richtige“ oder „falsche“ Antworten, sondern um Ihre persönlichen Eindrücke und Wahrnehmungen.
Wie läuft das Gespräch ab?
Das Interview dauert etwa 30–60 Minuten und findet nach Vereinbarung statt – entweder vor Ort oder online. Gespräche vor Ort können zum Beispiel in unserem Büro in der Karl-Liebknecht-Straße 29 (parallel zur Brühl) stattfinden.
Den Termin stimmen wir flexibel mit Ihnen ab – auch abends oder am Wochenende sind Gespräche möglich.
Es handelt sich um ein offenes Gespräch ohne Bewertung oder Testcharakter. Das Gespräch wird – mit Ihrem Einverständnis – aufgezeichnet, damit wir es später in Ruhe anhören und für unsere Forschung verwenden können. Sie können die Aufnahme jederzeit pausieren oder beenden oder auch entscheiden, dass bestimmte Teile nicht aufgenommen werden.
Ist das anonym?
Ja.
Die Interviews werden vertraulich behandelt und anonymisiert ausgewertet.
In unseren Auswertungen und Veröffentlichungen verwenden wir keine echten Namen, sondern geänderte Namen (Pseudonyme). Auch andere erkennbare Details werden so verändert, dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind.
Vor dem Interview erhalten Sie eine ausführliche Information zum Datenschutz und zur Teilnahme, die wir gemeinsam durchgehen. Sie können jederzeit Fragen stellen und frei entscheiden, ob Sie teilnehmen möchten. Wenn Sie die Unterlagen vorab einsehen möchten, finden Sie sie hier: Datenschutzerklärung
Warum ist das wichtig?
Kriminalität wird nicht nur statistisch erfasst, sondern auch im Alltag diskutiert, gefühlt und erzählt.
Öffentliche Debatten entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern im Austausch mit gesellschaftlichen Erfahrungen und Eindrücken. Das Projekt möchte dazu beitragen, diese Perspektiven sichtbar zu machen.
Gibt es eine Aufwandsentschädigung?
Für die Teilnahme am Interview erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 20 Euro.
Wie kann ich teilnehmen?
Wenn Sie Interesse oder Fragen haben, nutzen Sie gerne das Kontaktformular unten.
Alternativ können Sie auch direkt eine E-Mail schreiben an
aaron.bielejewski@zkfs.de