Trans*feindliche Einstellungen in Deutschland
Trans* Personen sind in ihrem Alltag häufig dem Risiko ausgesetzt Opfer von Hasskriminalität, z.B. trans*feindlichen Beschimpfungen zu werden (Tagesschau, 2023). Transfeindliche Hasskriminalität beruht auf Vorurteilen gegen trans* Personen und ist mehr als ein individuelles Problem. Sie trifft nicht nur einzelne Betroffene, sondern sendet eine Botschaft an ganze soziale Gruppen – und kann Angst, Unsicherheit und Rückzug aus dem öffentlichen Leben verstärken. Dies zeigt sich auch an vermehrten aggressiven Protesten gegen die LGTBQIA+ Bewegung (CeMAS & democ, 2025). Dabei werden trans* Personen auch Ziel von politischen Anfeindungen und werden als Bedrohung dargestellt. Die politische Rhetorik und das damit verbundene Bild, das von trans* Personen gezeichnet wird, sind dabei nicht nur wegweisend für trans*feindliche Einstellungen, sondern könnten auch einen Einfluss auf Einstellungen zu trans*feindlicher Hasskriminalität sowie auf deren Verfolgung durch die Strafverfolgungsbehörden haben.
In einer Querschnittsstudie mit über 3.000 Befragten untersuchten Dr. Kristin Weber, Aileen Krumma, Anika Radewald, Rowenia Bender, Dr. Aaron Bielejewski und Dr. Deliah Wagner vom ZKFS, Einstellungen gegenüber trans* Personen, die Unterstützung der Strafverfolgung von trans*feindlicher Gewalt sowie Faktoren, die die Einstellungen dazu beeinflussen können.
Die Ergebnisse zeigen, dass insgesamt ein Großteil der befragten Personen die Strafverfolgung von trans*feindlicher Gewalt befürwortete. Aussagen zu trans*feindlichen Einstellungen wurden weder klar zugestimmt noch deutlich abgelehnt. Wichtige Zusammenhänge zeigten sich dabei mit:
- Politische Orientierung
Rechtsorientierung hängt deutlich mit stärkeren trans*feindlichen Einstellungen und geringerer Unterstützung der Strafverfolgung von trans*feindlicher Gewalt zusammen. - Kontakterfahrungen mit trans* Personen
Bei positiven Kontakterfahrungen zeigten sich weniger, bei negativen Kontakterfahrungen mehr trans*feindliche Einstellungen. - Diversity-Beliefs
Wer gesellschaftliche Vielfalt befürwortet und sie als etwas Positives für die Gesellschaft wahrnimmt, zeigt weniger trans*feindliche Einstellungen und unterstützt eher die Strafverfolgung von trans*feindlicher Gewalt. - Geschlecht
Männer zeigten mehr trans*feindliche Einstellungen als Frauen.
Je mehr trans*feindliche Einstellungen, desto weniger stimmten Personen einem konsequenten polizeilichen Einschreiten bei Übergriffen zu. Zu beachten ist hierbei, dass es sich um korrelative Zusammenhänge handelt, die keine kausalen Nachweise liefern.
Es ist davon auszugehen, dass es nicht ausreicht, trans*feindliche Hasskriminalität allein durch stärkere Strafverfolgung und härtere Strafen zu bekämpfen. Wichtig erscheint darüber hinaus, trans*feindliche Einstellungen zu reduzieren und die damit verbundenen Risiken ernst zu nehmen. Dies könnte nicht nur die Unterstützung von Strafverfolgung gegen trans*feindliche Straftaten erhöhen, sondern auch gegen jegliche Form von vorurteilsbasierter Gewalt.
Quellen:
CeMAS & democ (2025, 21. Juli). Rechtsextreme Mobilisierung gegen CSDs: Eine Recherche von CeMAS und democ. CeMAS. https://cemas.io/blog/rechtsextreme-mobilisierung-gegen-csds-2025/
Tagesschau (2023, 11. Januar). Transfeindlichkeit als „Kulturkampf“. https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/transfeindlichkeit-101.html
Weber, K., Krumma, A., Radewald, A., Bender, R., Bielejewski, A. & Wagner, D. (2026). A Cross-sectional Study on Transphobia, Compassion, and Crime Perception in Germany. In B. Colliver, J. C. Healy, K. McBride & G. Gwenffrewi (Hrsg.), Contemporary Issues in Transphobic Hate and Prejudice: Transforming the Narrative (S. 142 – 161). Routlege. https://www.doi.org/http://doi.org/10.4324/9781003564928-11
Redaktionelle Verantwortung: Dr. Kristin Weber, Aileen Krumma, Anika Radewald, Rowenia Bender, Dr. Aaron Bielejewski, Dr. Deliah Wagner