Zentrum für Kriminologische Forschung Sachsen

Neuigkeiten

Erfahren Sie die neuesten Entwicklungen aus der Welt der Kriminologie – aktuelle Forschungsergebnisse und spannende Projekte finden Sie in den Neuigkeiten des Zentrums für Kriminologie Sachsen e.V. Bleiben Sie auf dem Laufenden und erhalten Sie exklusive Einblicke in unsere Arbeit.

Fact of the Month: März 2026

Grenzen der Furcht: Der Einfluss von Grenznähe, Urbanität und politischer Einstellung auf personale Kriminalitätsfurcht

Die Bundesweiten Grenzkontrollen sollen laut Innenminister Dobrindt um weitere sechs Monate verlängert werden.

Durch diese bundesweiten Grenzkontrollen wird in der Gesellschaft stärker die Verbindung zwischen Kriminalität und den Grenzregionen gezogen. Sachsen ist in diese Diskussion durch seine zwei Ländergrenzen zu Tschechien und Polen involviert. Doch wie erleben Sachsen und Sächsinnen das Leben in Grenzregionen? Haben sie Angst vor mehr Kriminalität aufgrund ihrer Positionierung nahe der Grenze?

Deshalb ist es besonders relevant zu prüfen, ob Grenznähe tatsächlich mit erhöhter Kriminalitätsfurcht verbunden ist.

In dem neu erschienenen Buchkapitel „Grenzen der Furcht: Der Einfluss von Grenznähe, Urbanität und politischer Einstellung auf personale Kriminalitätsfurcht“ stellen sich die Autor:innen des ZKFS und der TU Chemnitz genau dieser Frage. Sie untersuchten, ob es einen Zusammenhang zwischen Kriminalitätsfurcht und Grenznähe gibt. Auch andere Faktoren, wie Urbanität der Region und politische Orientierung wurden analysiert. Sie konnten dabei die Daten einer Befragung des Sächsischen Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung „Sicherheit und Kriminalität in Sachsen (SKiSAX)“ aus dem Jahr 2022 nutzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Nähe zur Grenze keinen Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht hat. Auch die anderen Variablen, Urbanität und politische Orientierung, hatten in dieser Untersuchung keinen Einfluss auf die Kriminalitätsfurcht.

Kriminalitätsfurcht ist ein Mehrebenenkonstrukt und u.a. selektiv beeinflusst. Schon in einer früheren Untersuchung (Kriminalitätsfurcht und wahrgenommene Kriminalitätsentwicklung) konnte Forscherinnen des ZKFS zeigen, dass es keinen bedeutsamen Zusammenhang zwischen der subjektiven Kriminalitätsfurcht und der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gibt (Bolesta & Führer, 2022). Menschen schätzen häufig, dass die Kriminalität zugenommen hat, obwohl dies häufig nicht der Realität entspricht, wie die nachstehende Abbildung zeigt.

Die Mehrheit der Bevölkerung nimmt steigende Kriminalität wahr, obwohl objektive Daten überwiegend Rückgänge zeigen.

Auch wenn es immer wieder Schwankungen in Bezug auf Grenzkriminalität gibt, so ist die allgemeine Tendenz, dass sie rückläufig ist. Neben ausländerrechtlichen Verstößen handelt es sich bei den Delikten insbesondere um Diebstähle, Sachbeschädigungen, Betrugsdelikte und Körperverletzungen. Insgesamt zeigt sich, dass es sich häufig um volljährige deutsche Männer handelt, die Straftaten begehen (Goebel et al., 2023).

Auch wenn die untersuchten Variablen die Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung nicht erklären konnte, so gibt es verschiedene Ansätze in der Forschung, um Kriminalitätsfurcht weiter zu untersuchen. Die Umgebung hat möglicherweise einen geringeren Einfluss auf Kriminalitätsfurcht als z.B. ökonomische Ängste es haben (Hirtenlehner et al., 2016). Andere individuelle Faktoren, wie z.B. Strafbedürfnis (Punitivität) oder Fremdheitsfeindlichkeit sind immer wieder Untersuchungsgegenstand anderer Forscher:innen (Groß et al., 2021).

Grenznähe erklärt Kriminalitätsfurcht nicht.

  • Bolesta, D., & Führer, J. L. (2022). Kriminalitätsfurcht und wahrgenommene Kriminalitätsentwicklung. In D. Bolesta, J. L. Führer, R. Bender, A. Bielejewski, & F. Asbrock (Hrsg.), Panel zur Wahrnehmung von Kriminalität und Straftäter:innen (PaWaKS): Erste Berichtsserie. Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e.V. Online verfügbar unter: https://www.zkfs.de/pawaks/
  • Goebel, J., Ryschawy, J., Fleps, T. & Winkler, F. (2023). Erster Periodischer Sicherheitsbericht, 2017 bis 2021, Freistaat Sachsen. Sächsisches Staatsministerium des Innern sowie Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung (Hrsg.), Dresden. https://www.smi.sachsen.de/download/PSB_Langversion.pdf
  • Hirtenlehner, H., Groß, E. & Meinert, J. (2016). Fremdenfeindlichkeit, Straflust und Furcht vor Kriminalität. Soziale Probleme, 27, S. 17–47. https://doi.org/10.1007/s41059-016-0014-3
  • Groß, E., Kemme, S., Häfele, J. & Bendler, J. (2024). Zur Struktur des Zusammenhangs von Kriminalitätsfurcht, Punitivität und Fremdenfeindlichkeit. In D. Wagner, J. L. Führer & F. Asbrock (Hrsg.), Von Kriminalitätsfurcht zu Feindesligkeit: Dynamiken der Kriminalitätswahrnehmung im politischen Kontext (S. 103–132). Nomos. https://doi.org/10.5771/97837489484
  • Tagesschau (2026, 16. Februar). Innenminister Dobrindt verlängert Grenzkontrollen. Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. https://www.tagesschau.de/inland/dobrindt-grenzkontrollen-110.html
  • Weber, K., Wagner, D., Steinmetz, K., Führer, J., Pollmanns, C., Asbrock, F. (2026). Grenzen der Furcht: Der Einfluss von Grenznähe, Urbanität und politischer Einstellung auf personale Kriminalitätsfurcht. In R. Melcher, C. Meißelbach, B. Weßels (Hrsg.), Subjektive Sicherheit und politische Kultur. Wahlen und politische Einstellungen (S. 133–166). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-49448-3_5