Zentrum für Kriminologische Forschung Sachsen

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Arbeit im Strafvollzug: Bedeutungen, Erfahrungen und Zukunftsperspektiven aus Sicht von arbeitenden Strafgefangenen

JVA und Arbeit, ZKFS Chemnitz

Projekt: Arbeit im Strafvollzug: Bedeutungen, Erfahrungen und Zukunftsperskeptiven aus Sicht von arbeitenden Strafgefangen

Das Projekt „Arbeit im Strafvollzug“ am ZKFS untersuchte die Rolle von Gefangenenarbeit sowie deren Bedeutung für Resozialisierung und den Strafvollzug in Sachsen. Im Mittelpunkt standen Arbeitsbedingungen, Entlohnung, Alltagsstruktur sowie Perspektiven nach der Haft. Der Abschlussbericht des Projekts ist online verfügbar.

Projektleitung: Dr. Aaron Bielejewski

Was bedeutet es, inhaftiert im Gefängnis zu arbeiten?

Arbeit stellt oft die Hauptbeschäftigung von Strafgefangenen dar – auch in Sachsen, einem der wenigen Bundesländer, die Gefangene nicht zwingend zur Arbeit verpflichten. Die Struktur des Gefängnislebens dreht sich oft um die Arbeit. Arbeit ist ein zentraler Bestandteil des Resozialisierungskonzepts, welches darauf abzielt, Gefangene auf ein straffreies Leben nach der Entlassung vorzubereiten. Durch die Arbeit sollen Disziplin und Fähigkeiten erlernt werden, die bei der Sicherung eines künftigen Arbeitsplatzes hilfreich sein können. Außerdem stehen dem Strafgefangenen durch die Arbeit zusätzliche wirtschaftliche Mittel zur Verfügung. Diese Einnahmen soll es den arbeitenden Strafgefangenen ermöglichen, ihre Angehörigen außerhalb der JVA zu unterstützen. Allerdings sind die Löhne in der Praxis oft zu niedrig, um dies in nennenswertem Umfang zu ermöglichen. Stattdessen wird ein Großteil der Einnahmen aus dem Strafgefängnis dazu verwendet, die eigene Zeit im Gefängnis zu finanzieren, um beispielsweise die Kosten von Telefongesprächen und „Luxusartikel“ wie Tabak und Kaffee zu decken.

Das Ideal, Kompetenzen durch Arbeit zu vermitteln, wird durch den Wandel der Bedeutung und der Form der Arbeit in der Gesellschaft in Frage gestellt, denn digitale Fertigkeiten und die Fähigkeit, aus der Ferne zu arbeiten, gewinnen in der Diskussion über die Zukunft der Arbeit zunehmend an Bedeutung. Die Aufteilung zwischen verschiedenen Arten von Arbeit und Berufsausbildung in der JVA zeigt jedoch zumindest das Potenzial für Flexibilität und Anpassung in der Welt der Gefangenenarbeit.

Es gibt noch wenig Informationen darüber, wie Strafgefangene ihre Arbeit in der Haft sehen und erleben, wie diese Arbeit mit ihren eigenen Erfahrungen oder Fähigkeiten zusammenhängt oder wie sie sich auf ihre Zukunftsplanung oder ihre Fähigkeit auswirkt, die verschiedenen Herausforderungen nach der Entlassung zu bewältigen, insbesondere in Bezug auf die Arbeitssuche.

In diesem Projekt wird untersucht, welche Bedeutung die Arbeit und das damit verdiente Geld für Strafgefangene hat. Dabei werden sowohl die Erfahrungen der Strafgefangenen mit der Arbeit in der JVA als auch die Beziehung zu ihren früheren Arbeitserfahrungen vor der Inhaftierung und ihre Erwartungen an eine zukünftige Beschäftigung nach der Entlassung miteinbezogen. Dafür wurden Interviews mit mit Erstinhaftierten und bereits Inhaftierten geführt. In diesen narrativen Interviews wurden die Verbindungen zwischen persönlicher Identität und Arbeit erforscht. Es wird betrachtet, inwieweit Arbeit für die Fähigkeit, sich selbst zu definieren und sich in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft narrativ zu positionieren, zentral ist. Ziel des Projekts ist es, zur Konzeptualisierung von „Resozialisierung“ beizutragen, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Veränderungen und Entwicklungen in der Arbeitswelt.

Ablauf:

Das Projekt lief von Frühling 2024 bis Ende 2025.  Forschungsinterview wurden im Sommer 2024 durchgeführt.

Das Projekt wurde mit der Veröffentlichung des Abschlussberichts abgeschlossen und im Rahmen des Fachtags „Mehr als Arbeit: Strafvollzug, Beschäftigung, Resozialisierung“ öffentlich vorgestellt.

Vorträge:

Bielejewski, A. (2025, 1. Dezember). Routine, Sinn, Identität: Die symbolische Bedeutung von Arbeit im Strafvollzug [Vortrag]. Fachtag „Mehr als Arbeit: Strafvollzug, Beschäftigung, Resozialisierung“, Chemnitz, Deutschland.

Bielejewski, A. (2025, 14. Juli). Big Plans & Big Spenders: Narratives of Work and Money in Prison [Vortrag]. European Society for the Study of Symbolic Interaction Annual Conference, Warschau, Polen.

Bielejewski, A. (2025, 30. April). Hinter Mauern: Erfahrungen und Erzählungen aus dem Justizvollzug [Vortrag]. Ausstellung und Filmvortrag „Freiheit und Freiheitsentzug“, Chemnitz, Deutschland.

Bielejewski, A. (2025, 21. März). Bars, Money, and Big Plans: Narratives of Survival and Success in and after Prison [Vortrag]. Workshop „Erzählungen (in) der Kriminologie“, Bielefeld, Deutschland.

Bielejewski, A. (2024, 26. September) Ohne Arbeit bin ich halt nur Straftäter: Narrative über Arbeit und Karriere unter arbeitenden Strafgefangenen [Vortrag]. 18. Wissenschaftliche Tagung der Kriminologischen Gesellschaft, Tübingen, Deutschland.

Abschlussbericht:

Dieser Bericht untersucht die Rolle von Arbeit im Strafvollzug des Freistaates Sachsen aus der Perspektive arbeitender Strafgefangener. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Gefangene Arbeit erleben, deuten und in Beziehung zu Konzepten wie „Resozialisierung“, „Normalität“ und „Eigenverantwortung“ setzen – jenseits normativer Erwartungen oder juristischer Vorgaben.

Abschlussbericht (PDF)