PaWaKS: Panelstudie zur Wahrnehmung von Kriminalität und Straftäter:innen

Eine zentrale Forschungsfrage des ZKFS ist die Wahrnehmung von Straftaten, Straftäter:innen und Kriminalität in der sächsischen Bevölkerung. Die Wahrnehmung von Kriminalität und die damit verbundenen Bedrohungswahrnehmungen hängen deutlich mit weiteren gesellschaftlich relevanten Themen zusammen.

 

Projektbeschreibung

Die Wahrnehmung von Straftaten, Straftäter:innen und Kriminalität ist aus psychologischer Sicht stark von Gefühlen der Bedrohung, ideologischen und politischen Einstellungen und Stereotypen geprägt. Darüber hinaus finden sich viele soziale Faktoren, die diese Wahrnehmung beeinflussen, wie z.B. Demografie, Wohngegend, tatsächliche Kriminalität und sozialer Status und der Einfluss von Medien und dem sozialen Umfeld. Die Wahrnehmung von Straftaten und Straftäter:innen ist deutlich von kategorialer Wahrnehmung mitgeprägt und hat Auswirkungen auf das Ausmaß gesellschaftlicher Konflikte. Diskussionen um Racial Profiling und empirische Studien zu spontanem Entscheidungsverhalten in sogenannten First Person Shooter Tasks zeigen, dass die Wahrnehmung von Bedrohung durch Kriminalität stark durch das Denken in Kategorien beeinflusst wird.

Sofern die Wahrnehmung von Straftaten und  Straftäter:innen nicht auf Fakten, sondern auf psychologischen Prozessen beruht, wird dies Bedrohungswahrnehmungen und die damit zusammenhängenden Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben verschärfen.

Um diesen Komplex der Wahrnehmung von Straftaten und Straftäter:innen zu untersuchen und faktenbasierte Grundlagen für eine gesellschaftliche Diskussion in Sachsen und darüber hinaus zu schaffen, soll ein zentrales Projekt eine längsschnittliche Untersuchung der Wahrnehmung von Bedrohung und Kriminalität und ihren gesellschaftlichen Implikationen in Sachsen sein. In der repräsentativ angelegten Untersuchung soll eine Stichprobe sächsischer Bürger:innen einmal im Jahr befragt werden. So sind Entwicklungen über die Zeit erfassbar, die mit einfachen Querschnittsbefragungen nicht analysiert werden könnten.

Längsschnittstudien sind sehr aufwändig und werden daher für Fragestellungen dieser Art bislang selten genutzt. Sie bieten über die Momentaufnahme in der jeweiligen Befragung hinaus die Möglichkeit, zeitliche Verläufe in der Wahrnehmung mit sozialen und individuellen Faktoren zusammenzubringen. Weiterhin können regionale Daten, wie z.B. Kriminalitätsraten, Ausländer:innenanteil, Arbeitslosigkeit etc. den Befragungsdaten zugespielt werden und so komplexe Analysen im Zusammenspiel psychologischer Prozesse und objektiver Lebenswelten ermöglichen. Eine solche Längsschnittstudie ist die erste ihrer Art in Sachsen und stellt eine wichtige Ergänzung zu bestehenden Umfragestudien dar.

Projektablauf

Zu Beginn dieses Projekts werden bereits vorhandene Befragungen zur Wahrnehmung von Straftaten und Straftäter:innen recherchiert und auf die verwendeten Messinstrumente hin analysiert. Weiterhin steht eine umfassende Literaturrecherche an, um genaue Fragestellungen für die längsschnittliche Untersuchung zu spezifizieren.

Die Datenerhebung wird durch Ipsos, ein professionelles Umfrageinstitut, durchgeführt. Die erste Welle der Befragung fand im ersten Quartal 2022 statt. So können bereits erste querschnittliche Befunde genutzt werden. Für September 2022 ist dann die zweite Befragung und die erste Auswertung von längsschnittlichen Daten geplant. Weitere Befragungen sind für die Folgejahre geplant. Für aussagekräftige, den aktuellen methodischen Forschungsstandards genügende längsschnittliche Ergebnisse, sind mindestens drei Messzeitpunkte im jährlichen Abstand notwendig.

Projektzeitraum: 2021 – 2024